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Témoignages

Jahrzehntelang lief die Hallenvermietung problemlos. Ein Generationenwechsel führte zu Spannungen. Die Lösung brachten externe Berater. Morgen wird die Firma  ausgezeichnet.

Markus Löliger Frauenfeld. Die Vermietung von grossen Festhallen ist ein hartes Business. Hart wegen der Konkurrenzsituation, aber auch in Bezug auf das Handwerkliche. Wer zwischen 30 000 und 40 000 Quadratmeter Zeltfläche sein Eigen nennt, muss zupacken können – die Mitarbeiter wie die Chefs. Beim Aufbau wollen schwere Masten gestellt, die Statik kontrolliert, Wände montiert und Böden verlegt sein. Tage später muss alles wieder abgebaut und retourgekarrt werden ins Magazin zur Reinigung und Kontrolle. Eingelagert für den nächsten Event – und alles beginnt wieder von vorne.


Sie erhalten den Adlatus-Preis: Urs und Sandro Keller (rechts) in der Blachen-Waschanlage. Vorne Adlatus-Coach John Leuenberger. Bild: Reto Martin

Aufträge im In- und Ausland
Die Frauenfelder Firma FVF Festhallen-Vermietung AG beherrscht das Business seit vierzig Jahren. Kontinuierlich bauten die beiden Besitzer den Betrieb aus auf schliesslich zwanzig festangestellte Mitarbeiter und viele temporär eingesetzte Leute, die rund 30 Mannjahre Arbeit leisten. Zum Kerngeschäft der FVF gehören die Vermietung und der Aufbau von Festhallen samt der notwendigen Infrastruktur. Kunden sind Veranstalter von Messen, Open Airs, Turn- und Sportfesten sowie von grossen Versammlungen – beispielsweise regional verankerte Banken. FVF stellt in der ganzen Schweiz Festhallen auf und hatte auch schon Aufträge in Algerien oder in Lagos in Afrika. Das Vermietungsgeschäft ist von den Besitzern mit einem zweiten Standbein ergänzt worden: einem Event-Management, das die Thurgauer Frühjahrs- und die Schaffhauser Herbstmesse durchführt. Zudem wurde eine grosse Blachen-Waschanlage installiert, die auch für Mitbewerber arbeitet.

Berater halfen beim Neustart
Das bisher beste Jahr schrieb die FVF 2007, und «für 2008 sieht es ähnlich gut aus», sagt Juniorchef Sandro Keller. Das entspricht einem Neustart, denn ab etwa 2002 war der Umsatz rückläufig gewesen, und es gab im Zusammenhang mit dem Eintritt einer neuen Generation aus beiden Besitzerfamilien Spannungen im Unternehmen.
Zuerst orteten die Unternehmer die Probleme im Bereich Marketing und Kommunikation. Externe Berater sollten helfen, das Unternehmensschiff wieder auf Kurs zu bringen. Adlatus, ein Netzwerk aus bereits pensionierten, aber erfahrenen Führungskräften, wurde beigezogen. Insgesamt vier Adlaten kamen in ihren spezifischen Fachbereichen nach Bedarf zum Einsatz. Den Lead hatte John F. Leuenberger aus Zuzwil – ursprünglich oberster Personalchef des Migros-Genossenschaftsbundes. «Als Kern der Probleme entpuppte sich rasch die 50-Prozent-Beteiligung beider Besitzerfamilien», sagt Leuenberger. Das sei ein schwieriges Besitzverhältnis, mit schwer zu regelndem Einfluss auf die Ausrichtung eines Unternehmens und dessen Betriebspolitik.

Mediationsprozess zur Lösung
Dieses Dilemma wurde rasch erkannt und von den Besitzern anerkannt. Leuenberger zeigte als Organisationsentwickler den Unternehmern mehrere Varianten auf. Beide Besitzerfamilien wollten eine neue Lösung und waren bereit, das Unternehmen allein zu übernehmen. Unter der Führung von John F. Leuenberger wurden in einem längeren Mediationsprozess die Begleitprobleme beiseite geräumt und die Kernprobleme angegangen. «Es brauchte Zeit, bis das Projekt reif war», sagt Leuenberger, und Sandro Keller nickt zustimmend. Der Junior hatte «viel Herzblut» ins Geschäft des Vaters gesteckt und unter den Spannungen gelitten: «Adlatus hat uns sehr geholfen, eine Lösung zu finden, die für alle befriedigend ist. Wir gingen im Frieden auseinander.» Es gebe bis heute unter den ehemaligen Geschäftspartnern keine Probleme, sagen Leuenberger und Keller.